Mittwoch, Februar 28, 2007

Der arme Mensch

Der arme Mensch geht jeden Morgen
in das örtlich feinste Cafe,
den Stammplatz hält man ihm meist frei,
er bestellt "grand petit dejeuner"

Er sitzt allein und ißt nicht viel,
ein "petit petit" würde reichen,
doch wird er es sich nicht erlauben,
von Gewohntem ab zu weichen

Denn alle wissen, ihm geht's gut,
er hat was "an den Hacken",
der Bäcker wird es missverstehen,
sollte er kleine Brötchen backen.

So beißt der arme Mensch sich durch,
und kaut an jedem Brot,
von allem ist er übersatt,
er kennt nur diese Not.

Der arme Mensch verlässt das Cafe
alleine und übersatt,
so ist das, wenn man alles,
doch keinen Menschen hat.

07.01.2007

Montag, Februar 19, 2007

Frau Falter (aus der Reihe: Cloppenburger Originale)

Ich sah in der Stadt Frau Falter,
und dachte bei mir, für ihr Alter
schaut sie ja noch recht aufgeweckt,
welch Lebenslust noch in ihr steckt!

Sie müßte um die neuzig sein
(seit Mutter's Tod lebt sie allein),
und kümmert sich in ihrer Rente
um jüngere Musiktalente.

Die nimmt sie schon mal an die Hand,
der Anblick ist nicht unbekannt,
und scheint uns das auch sonderbar,
so steht's ihm zu, dem Künstlerpaar.

Uns Schülern war sie leicht suspekt,
und hat sie erst mal Blut geleckt,
dass man des Noten lesens fremd,
blamierte sie dich bis auf's Hemd.

Uns fehlte wohl der Horizont,
wir kämpften an Frau Falter's Front;
wir sangen oftmals quietschverkehrt,
und wurden mit 'ner fünf belehrt.

Da stand man dann mit seinem Mangel
und schlug auf gut Glück die Triangel,
und sang ganz hoch vom "Gelben Wagen",
nichts wußte man von Ton und Lagen.

Nun ist das alles schon Geschichte,
doch seh ich nun im anderen Lichte
Frau Falter an dem heutigen Tag -
als Lehrer noch vom alten Schlag!

19.02.2007

Montag, Februar 12, 2007

Antwort für Alfred

Es gibt viele Bauten und Ecken,
doch wozu die Meinung verstecken?
Genau! Genau! Genau!
Als "unmoderne" Frau
liebe ich Häuser, wie eines dort stand;
nun entsteht dort leider fünf mal Wand.
Was heute "genau" dort passiert,
das sieht ja aus wie halbiert!

Freitag, Februar 09, 2007

Trittbrettfahrerin

(Auf besonderen Wunsch von Karin G. aus F.)

Sie war in all den Jahren
immer am Trittbrett fahren,
bezahlte dennoch den doppelten Preis
am Eingang zum Familiengleis.

Lachte tapfer hinter den abfahrenden Zug,
rannte, sprang auf, voller Selbstbetrug.
Bekam nie einen Platz offeriert,
für alle anderen war stets reserviert.

Ängstliches Klammern ohne Sicherheit,
und dennoch kam sie nie sehr weit.
Wurde gestoßen, fiel von alleine,
Notbremsen gab es für sie keine.

Und irgendwann, als wieder einer nach ihr stieß,
und die Kraft sie endgültig verließ,
ließ sie den Zug einfach rollen
und wusste, dass manche Menschen
zu Fuß gehen sollen.

03.06.2006

Interessante Bauweise

Habe mich so darauf verlassen,
dass dort etwas Schönes entsteht;
nun kann ich es einfach nicht fassen,
was baulich dort vor sich geht.

Ich werde ihm nie mehr schreiben,
und reden? Schon gar nicht mehr!
Muss er solche Moden betreiben?
Ich bin enttäuscht, und das schwer.

So hab ich ihn komplett verkannt,
fiel rein auf die Fassade,
hab mich wohl etwas sehr verrannt,
die Form verrät es, schade!

09.02.2007